Hervorgehoben

„Lehrer“, „Mentor der Berliner Schüler“, „unwissender Lehrmeister“ – die Beschreibungen des Filmemachers und Autors Harun Farocki als jemand, von dem sich lernen lässt, sind vielfältig. Solche Beschreibungen sind nicht aus der Luft gegriffen. Tatsächlich lehrte Farocki seit den 1980ern an verschiedenen Universitäten und Akademien (dffb, University of California in Berkeley, Akademie der bildenden Künste Wien). Andererseits stehen sie in Konflikt mit Farockis Selbstverständnis als Lernendem, da er sich selbst als „Schulabbrecher“ bezeichnete und immer wieder emphatisch von der eigenen autodidaktischen Ausbildung sprach.
Der Aspekt des Didaktischen bei Farocki ist punktuell immer wieder beobachtet worden. Der Workshop „‚Wie man sieht‘. Zur Didaktik von Harun Farocki“ möchte die Möglichkeit zur Diskussion der Beobachtungen bieten. Dabei soll auch der eingangs erwähnte Widerspruch zum Thema gemacht werden. Besondere Berücksichtigung sollen darüberhinaus die Orte der Ausbildung finden, wie es im Zusammenhang mit der Cinephilie etwa das Kino darstellt. Analog zu Farockis Kritik an Lehr- und Vermittlungspraktiken, die einer autoritären oder wissensökonomischen Logik folgen, möchten wir nach der Art der Didaktik fragen, und wie sie in den filmischen Verfahren manifest wird – von den frühen Filmen, die sich der Wissensvermittlung widmeten (wie die Beiträge für die „Sesamstraße“, 1973), zu Filmen, die u.a. bildbasierte Wissensproduktion selbst zum Thema machen (etwa Wie man sieht, 1986).